Am Wochenende fand in Duisburg mit den zweijährlich ausgetragenen Ruhrgames Europas größtes Sportfestival für Jugendliche statt. Natürlich war auch Judo mit mehreren Wettbewerben prominent vertreten. Mathilda Sophie Niemeyer — eigentlich Alterklasse U15 — durfte auf einer Wild Card des Landestrainers ausnahmsweise am Einzelwettbewerb der Alterklasse U18 teilnehmen. In der Gewichtsklasse -70 kg traten damit insgesamt 13 Kämpferinnen an.

Freudig erregt ging Mathilda Sophie am Freitagmorgen die Vorrundenkämpfe an und konnte die zwei ersten Begegnungen nach 32s bzw. 24s jeweils durch Ippon für sich entscheiden. Im dritten Kampf entzog sich die vorgewarnte Gegnerin soweit, dass sie aufgrund dreier Bestrafungen nach 78s durch Hansokumake unterlag. Damit hatte sich Mathilda Sophie für das Finale qualifiziert, ebenso wie die siebzehnjährige Rabea Reiling vom TuS Volmetal.

Auf dem mit Judomatten präparierten Center Court der Ruhrgames, unter freiem Himmel und bei besten Bedingungen trafen am Abend die beiden Kämpferinnen erstmalig aufeinander und boten dem Publikum ein packendes Finale.

Beide griffen sofort an und erkannten dabei unmittelbar, dass sie es gegenseitig mit einem ebenbürtigen Gegner zu tun bekommen hatten. Im weiteren Verlauf des Kampfes suchte jede Kämpferin beständig eine gute Angriffsposition, trug einen Angriff vor der von der Gegenerin dann pariert wurde.

Nach 95s wagte sich die Volmetalerin dann mit einer Innensichel in einen entschlossenen Angriff, der von Mathilda Sophie blitzschnell in einen Konter übernommen wurde, wobei sie es aber nicht schaffte, ihre Gegnerin klar auf den Rücken zu bringen und beide auf der Seite landeten. Der Mattenrichter hatte diese sehr schnelle Aktion zunächst falsch eingeschätzt und der Volemetalerin einen Wazaari zugesprochen. Hier — wie auch bei einigen anderen schwer einzuschätzenden Aktionen in anderen Kämpfen — glänzte das Schiedsrichterteam mit einer ausgesprochen guten Leistung:  Nach kurzer Besprechung wurde die Fehlentscheidung korrigierte und die Wertung zurückgenommen. Damit war der Kampf unverändert offen.

Im weiteren Verlauf des Geschehens setzte sich das sehr aktive Spiel aus Angriff, Konter und daraus resultieren Bodensituationen pausenlos fort, vielleicht mit etwas mehr Offensive auf Seiten von Mathilda Sophie. So ging der Kampf hochspannend — aber ohne Wertung — über die reguläre Kampfzeit von 4min in den Golden Score hinein und setzte sich dort noch weitere 4 1/2 min fort.

Die Qualität und der unbedingte Leistungswille der beiden Sportlerinnen zeigt sich darin, dass es trotz dieser immensen Kampfzeit für jede der Beiden gerade zu einer Strafe für das Übertreten des Mattenrandes gekommen ist.

Die Uhr zeigte 8min und 34s als es Mathilda Sophie schließlich gelang, aus der Bewegung heraus ihre Gegnerin auf ein Bein zu stellen, das Gleichgewicht zu brechen und unter dem tosenden Beifalls des Publikums mit einem Harai-Goshi den kampfentscheidenen Ippon in diesem längsten Kampf des Tages zu erzielen.

Damit konnte die 13-jährige Mathilda Sophie — vielleicht nicht ganz überraschend aber doch erstaunlich — die Goldmedaille in Ihrem ersten und etwas vorzeitigen U18-Wettkampf erringen, und das auf Landesebene.

Weiter ist zu berichten, dass am Sonnabend der Wettkampf der U15-Bezirksauswahlmannschaften ausgetragen wurde. Die Mannschaft des Bezirks Arnsberg konnte die Aufgebote der Bezirke Detmold, Köln und Düsseldorf sicher schlagen. Gegen den Bezirk Münster wurde es dann nocheinmal richtig spannend und mit dem Endergebnis von 8:7 auch denkbar knapp. Mit ihren durchweg gewonnenen Kämpfen konnte Mathilda Sophie auch zu diesem Erfolg beitragen und für Ihren Bezirk den NRW-Pokal miterringen.

Quelle:BilderdienstBonn
Ruhrgames 2019